statt Marketing: Ideen für Dresden Teil 9: Die Bahnhofsmission
Orr nöö, schon wieder einer, der was zum Thema Bahn bloggt. Ziemlich ausgelutscht das Thema, oder? Aber halt, warten Sie mal. Eigentlich geht die Geschichte zwar mit einer Verspätung los (und was für einer), aber – Überraschung – darum selber geht es gar nicht direkt. Aber lesen Sie selbst:
Bereits zwei Mal habe ich am Neustädter Bahnhof folgende Happy Hour Situation erlebt. Ich warte gespannt und frohen Mutes auf die Regionalbahn “Dresden : Görlitz” (also nicht gerade ein Fernzug, der bereits in 32 Bahnhäfen aufgehalten hätte werden können) und stehe pünktlich 5 Minuten vor Abfahrt (17:23 Uhr) am Gleis 3. Um 17:20 Uhr ertönt dann blechern die Dauerwellenstimme der automatichen Ansage und teilt mir mit, dass der Zug sich um vorraussichtlich 5 Minuten verzögert. Alles halb so wild! Bis dahin jedenfalls. Leider geht das Desaster erst los. Denn um 17:25 teilt man mir im selben Tonfall mit, dass sich der Zug vorraussichtlich um 10 Minuten verzögert. Um 17:30 Uhr leiert Maschina ihren Spruch herunter und bedauert, dass sich das Eintreffen des Zuges vorraussichtlich um 15 Minuten verzögert. Um 17:35 Uhr..naja ihr ahnt es! Kein Scheiss, das ist mein voller ernst – und ich habe Zeugen – beim ersten Mal (am 19.12.2009 bei Minus 12 Grad) fuhr der Zug 55 (!!!) Minuten später, aber der Ansagemodus (jeweils nur abgewandelt durch die Variable t+5 Min.) blieb bis zum Schluss der gleiche.
Es ist in dieser ganzen Stunde nicht einmal eine persönliche Stimme zu hören gewesen (oder ein Mitarbeiter auf dem Bahnsteig zu sehen) sondern immer nur Miss Maschina und ihre leicht holprigen Bausatzansagen. Frustrierender geht es nicht mehr! Erst recht nicht, wenn Deine zwei Kinder neben Dir nur noch heulen vor Kälte.
Wiederholungen mit Wiederholung
Als mir das Ganze HAARGENAUSO zum zweiten Mal passierte, da kam mir die Idee, dass die Einführung echter Bahnhofsansager alter Schule doch nicht nur ein netter Kundenservice wäre sondern auch ein hervorragendes Marketinginstrument. Wo gibt es das denn noch, dass da wirklich Menschen sitzen und einem freundlich und mit persönlicher Note wenigstens die wichtigsten Infos übermitteln.
Bis heute erinnert sich jeder, den ich aus meiner Heimat kenne, noch an den Ausrufer im Bahnhof Brake und dessen langezogenes “Braaake, hier Braaake”, gefolgt von einem mit scharfem Bleistift linalegerade unterstrichenen “Unterweser”.
Heute dagegen spricht scheinbar eine einzige Frau auf allen Bahnhöfen Deutschlands. Da weiß man doch gar nicht mehr, wo man eigentlich ist. Hamburg? Berlin? Stuttgart? Keine Ahnung. Die Dame spricht ja nicht mal ansatzweise Dialekt. Außerdem “stottert” die auch noch etwas. Die Ansagemaschinen der Bahn könnten wirklich mal zum Logopäden. Und zum Kommunikationscoach. Oder von mir aus auch einfach in Rente. Diese Stimme hier ist wahrscheinlich bekannter als die von Lena Meyer Landratsamt, oder?
Wie dem auch sei. Natürlich machen Maschinen weniger Fehler als Menschen und sind einen ganzen Latz günstiger. Aber Menschen merken dagegen (jedenfalls in der Regel), wenn es peinlich wird, sich zum 20. Mal zu wiederholen.
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