Bevor mein kleines Blog am Ende noch verwaist (meinen Urlaubsrückblick stelle ich ins Frische Fische Blog und sonst habe ich in den letzten zwei Wochen außer für Kreuzworträtsel und Postkarten selten was geschrieben), möchte ich Euch gerne mit einem kleinen Artikel von mir die Zeit vertreiben. Diesen habe ich auf Bitte des wirklich netten Teams der IHK Halle Dessau für deren Magazin geschrieben als Einführung in das Titelthema “Erlebnis Marketing”, darf ihn aber auch hier veröffentlichen.
Am Ende zählt immer nur das Erlebnis
Die moderne Erlebnisgesellschaft stellt Marketingverantwortliche vor große Herausforderungen, denn längst leben nicht mehr nur Jugendliche nach der Devise „Wo ist am meisten los?“. Untersuchungen zeigen, dass das Segment der Erlebniskäufer nahezu die Hälfte der Bevölkerung umfasst und klassische Werbeformen von potenziellen Kunden immer weniger wahrgenommen werden. Zusätzlich findet in fast allen Märkten eine Angleichung der Produkte statt, was eine Differenzierung nach sachlichen Kriterien erschwert. Folglich gewinnen neue Marketinginstrumente zunehmend an Bedeutung. Events, Social Media oder Guerilla Marketing zielen auf die sinnliche Wahrnehmung. Diese ist immer häufiger ausschlaggebendes Moment der Kaufentscheidung. Marken benötigen daher ein Erlebnisprofil. Ein solches Profil selektiert Zielgruppen nicht nach soziodemographischen Kriterien, sondern nach Lifestyle-Merkmalen und weist den Weg für die Planung weiterer Marketingmittel. Big Player bauen auf Themenparks und eindrucksvolle Großevents. Aber auch mit geringem Budget kann man durch unkonventionelle Ansätze und im Internet sehr viel erreichen.
Erlebniswelten und Events

Manufaktur (c) Christoph Münch
Während VW seine Besucher in der
Gläsernen Manufaktur empfängt, setzt Halloren auf ein unternehmenseigenes
Schokoladenmuseum. Vor allem im Bereich der Konsumgüter hat es sich längst etabliert, Marken auf diese Weise erlebbar zu machen. Aber auch andere Branchen ziehen nach. Den Erkheimer Fertighaushersteller Baufritz verbindet man mit seiner
HausSchneiderei, in der künftige Bauherren die Ausstattung ihres Hauses individuell komponieren können. „Bei den Kunden wächst die Lust zu planen viel mehr als beim Besuch eines klassischen Musterhauses“, sagt Architektin Maret Riemer über die HausSchneiderei. „Alle Besucher sind begeistert von den interaktiven Möglichkeiten und empfehlen den Besuch weiter“.
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Aktuell findet auf der südliche Erdhalbkugel bekanntlich ein größeres Ballsportturnier statt (Name der Redaktion bekannt). Das Turnier findet alle vier Jahre statt und bereits seit 2002 beschäftige ich mich als Marketer mit den Möglichkeiten, die große öffentliche Wahrnehmung für Werbezwecke meiner Kunden zu nutzen. Da große Sponsoren aber sehr, sehr viel Geld investieren, um ihre Produkte exklusiv bei Fernsehberichten oder jedem noch so popeligen Spielplan zu präsentieren, wird das theoretisch (rechtlich) und praktisch (Kontrollen und Klagen) immer komplizierter.
So berichtet das Handelsblatt heute über die Aufregung, welches durch ein Verhör holländischer Meisjes durch die Polizei des Ballsportturnierausrichterlandes entstanden ist. Lieke, Marijne und ihre Freundinnen waren nämlich ebenso frech wie unverschämt zum Auftaktspiel ihrer Mannschaft in Kleidchen erschienen, die eine holländische Brauerei (Markenname ist der latiniserter Ausdruck für ein süddeutsches Bundesland) im Vorfeld des besagten Ballsportturniers als Incentive ausgegeben hatte.
Ich gebe zu, die ganze Aktion hat schon ein wenig den Charakter von Ambush Marketing, aber letzten Endes steht wohl nicht mal ein Branding der Brauerei auf den – übrigens bis auf die Farbe ganz ansehnlichen – Kleidern. Vielleicht sahen die Mädels einfach zu gut aus, um nicht inszeniert zu sein? Wie auch immer: Die Organisation, die das Ballsportturnier ausrichtet, sollte sich selbst zwingend fragen, ob sie durch diese Aktion den eigentlichen Sponsoren (so genanntes “Bier” aus den USA) wirklich schützt! Wer außer ein paar Holländern hätte die ganze Sache überhaupt bemerkt, wenn es nicht zu der Klage durch den Ballsportturnierausrichter und dem polizeilichen Verhör gekommen wäre? Haben die denn von moderner PR und Social Media wirklich so wenig Ahnung?
Aber in Südafrika (copyright by the Republic of South Africa) geht es sowieso noch härter zu als in den vergangenen Jahren. Die Airline Kulula (Abdruck des Markennamens mit Erlaubnis einer Stewardess der Airline) warb zum Beispiel mit dem sensationell genialen Slogan “Unofficial National Carrier of the ‚You Know What‘” Nach kurzer Zeit musste Kulula die Werbung wieder vom Markt nehmen.
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Seit der Aufhebung des Werbeverbots für Rechtsanwälte Mitte der 90er versuchen sich diverse Anwaltskanzleien – offenbar tatkräftig unterstützt von Ein-Mann-Werbetechnikbuden – immer wieder an ersten Marketingschritten.
Heraus kommen dabei zumeist extrem unästhetische und nichtssagende Anzeigen in kostenlosen Wochenzeitungen und vermehrt auch der Einsatz riesiger Heckscheibenaufkleber. Juristen der alten Schule dreht sich dabei ebenso der Magen um wie kreativen Werbern.
Um so genialer daher die Maßanhme von Rechtsanwältin A. M. aus der Dresdner Neustadt. Die fährt bereits seit knapp zwei Jahren ihre Visitenkarte (inkl. Faxnummer, falls mal einer hinter ihr per mobilem Faxgerät Kontakt aufnehmen will) auf der kompletten Heckscheibe ihres Golfs spazieren und hatte damit wahrscheinlich bisher nicht gerade viel Erfolg!!??!?
Denn: Offenbar hat sie daraufhin im Januar ein professionelles Guerilla Marketing Seminar besucht oder hatte selbst einen genialen Einfall! Seit Februar jedenfalls steht dieser Golf konsequent mindestens jeden zweiten Tag im Halteverbot oder auf dem Behindertenparkplatz unserer Strasse! Frau M. erregt somit höchste Aufmerksamkeit bei Passanten und beweist gleichzeitig absolute Fachkompetenz und privates Involvment im Bereich Straßenverkehrsordnung.
Ich weiß jedenfalls definitiv, an wen ich mich wenden werde, sollte ich jemals wieder gegen die Stadt prozessieren müssen! Aber eigentich reicht einmal ja auch!
Übrigens hab ich gerade eine total gute Idee für eine Heckscheibenwerbung.. Schnell mal Aufkleber24 kontaktieren!